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NFD - NACHRUF - 7 1/2 JAHRE SPÄTER

Schade, aber seit dem 1. Januar 2004 gibt es auch den Namen EUROWINGS nicht mehr. Unsere Flugzeuge heißen jetzt LUFTHANSA - REGIONAL und fliegen auch nur noch unter LH - Nummer. Die Firma allerdings gibt es noch, sie hat sich sogar ausgebreitet und eine neue Tochter unter dem Namen GERMANWINGS gegründet. Da fliegen nun die A 319 als Billigcarrier durch die Lande und sollen für LH mal wieder die Schmutzarbeit übernehmen. Die anderen also vom Markt drängen, weil man das ja selbst nicht kann. Damit werde auch ich mal wieder zum Angriffsziel, denn nach dem Kauf der dba im letzten Sommer versuche ich mal wieder ein defizitäres Unternehmen zu sanieren. Mission impossible sagen mir meine Freunde und ganz unrecht haben sie damit auch nicht. Anders als bei dem NFD - Rückkauf steht dort die Mannschaft nicht geschlossen hinter mir. Na ja, warum sollten sie auch, schließlich haben sie mit mir vorher nicht gearbeitet und anders als die NFD - Mannschaft wurden sie, 14 Jahre lang niemals ehrlich informiert. Außerdem hat die dba nicht nur GERMANWINGS, sondern auch noch viele andere Wettbewerber. EUROWINGS aber ist im sicheren Hafen der LUFTHANSA gelandet, schon seltsam wie sich die Dinge verändern.

Doch es gibt auch manch Positives zu berichten. Der EWG - Vorstand hat nämlich erkannt, dass vor 10 Jahren ein großer Fehler gemacht wurde, als man alles nach Dortmund verlagert hat. Die Wurzeln lagen nun einmal in Nürnberg und jetzt wird dieser Fehler, zunächst einmal bei der Technik, korrigiert. Im Hangar von Herrn Zwosta geht es bald wieder rund her, denn die ganze Wartung wird wieder in die Noris verlagert. Nachdem Herr Krüger in der Zwischenzeit der Flughafendirektor von NUE geworden ist, kommt doch alles wieder ein wenig in die rechte Form! Gut Ding will eben Weile haben und da auch die Büros in Dortmund ziemlich leer geräumt wurden möchte ich nicht ausschließen, dass irgendwann einmal auch der Rest des Unternehmens wieder seinen Sitz in Nürnberg hat. Zum 30. Geburtstag den wir in diesem Jahr feiern, wäre das doch ein wirkliches happy end! Warum und wieso kam das eigentlich alles so? Nun irgendwann entschloss sich Herr Dr. Knauf seinen Vorstand neu zu besetzen und engagierte, Herrn Weitholz, der vorher bei der Firma Schenker tätig war. Ein Mann der Managementerfahrung hatte und die Luftfahrt als das betrachtete was sie eigentlich sein sollte, ein Wirtschaftsunternehmen. Er erkannte schnell, dass die Jahre nach der Wende nicht wirklich optimal genutzt wurden und damit die Chance auf eine wirkliche Selbstständigkeit vertan worden war. Manch anderer hätte es dennoch versucht, aber Herr Weitholz nutzte die Gelegenheit und machte die LH zunächst zu seinem Minderheitspartner. Heute hat LH zwar noch immer nicht mehr als 49 %, aber zweifellos 100 % des Sagens. Herr Dr. Knauf hat dabei sicherlich ein ordentliches Geschäft gemacht, doch das sei ihm auch vergönnt, denn wie kaum ein anderer Unternehmer hat er viele Jahre ein enormes finanzielles Risiko auf sich genommen um beide Unternehmen zusammenzuführen und dann auch wachsen zu lassen. So dürfte die Zukunft meines "Babys" wohl gesichert sein. Es ist sicherlich alles nicht mehr so spannend, wie man das auf der WEB - SEITE der NFD - Veteranen nachlesen kann, aber es ist für die vielen Mitarbeiter ein relativ sicherer Arbeitsplatz und das hat in diesen schwierigen Zeiten einen recht hohen Stellenwert.

Was mich anbetrifft, so habe ich im Sommer 2002 meinen Abschiedsflug auf der ATR gemacht. Kai Schröder und ich überführten eine ATR 72 nach Neuseeland und das bestätigte mir eigentlich nur, dass die ATR ein traumhaft zuverlässiges Flugzeug ist und dass ich niemals Langstrecke fliegen wollte. Es ist schon ein ergreifender Moment, wenn man sich zum letzten Mal aus dem linken Sitz eines Flugzeuges herausschält und weiß, dass eine 16 jährige "Freundschaft" mit diesem Flugzeugtyp wahrscheinlich zu Ende gegangen ist.

30 Jahre sind vergangen, seitdem ich den Entschluss gefasst habe, ein Luftfahrtunternehmen zu gründen. Es sollte ja nur mein Hobby verbilligen, doch was daraus geworden ist, haben sie gelesen. Zum Schluss möchte ich noch zwei Dinge anfügen die mir wichtig erscheinen. Zunächst einmal ist es ein Appell an alle jungen Menschen die noch Träume haben. Lassen sie sich nicht abschrecken etwas zu unternehmen! Ich höre immer wieder, dass man heute so etwas nicht mehr schaffen kann, dass alle Märkte besetzt sind usw. Das ist Quatsch, - natürlich kann man es nicht mehr so machen wie ich vor 30 Jahren, aber auch ich konnte es nicht so machen, wie die Luftfahrtpioniere zu Beginn des 20. Jahrhunderts oder wie diejenigen die nach dem 2. Weltkrieg, 1955 neu angefangen haben. Jede Zeit hat ihre eigenen Spielregeln und wer nach diesen Regeln spielt bekommt auch seine Chance. Im übrigen ist das Geld nicht Grundlage für den späteren Erfolg. Im Gegenteil, ich glaube, dass Geld ein schlechter Lehrmeister ist. Es macht den Anfang leicht und den Alltag schwer, weil man niemals gelernt hat, richtig damit umzugehen. Wir mussten immer sparen und die Behörden waren voller Argwohn in Anbetracht unserer stets leeren Kassen. Doch wir haben niemals mehr ausgegeben, als das was wir eingenommen haben und deswegen sind wir gesund und stabil gewachsen. Nicht nur im materiellen, sondern auch im menschlichen Bereich. Der NFD hat viele Menschen geprägt, Menschen die in großen Unternehmen und auf großen Flugzeugen oft keine Chance bekommen haben. Doch auch diese, unsere Mitarbeiter sind mit ihrem NFD gewachsen, wurden besser und stärker. Heute gibt es kaum ein Luftfahrtunternehmen in dem nicht ehemalige NFD-ler in Schlüsselpositionen sitzen. Ob im Cockpit, der Technik oder in administrativen Bereichen, überall stehen sie ihren Mann/Frau. Es gibt Mitarbeiter die sich selbstständig gemacht haben und heute erfolgreiche Unternehmer sind.

Heute, 30 Jahre nach dem Entschluss ein Luftfahrtunternehmen zu gründen möchte ich das Buch "NFD" schließen. Ich tue es in großer Dankbarkeit die ich allen Menschen die mir dabei geholfen habe schulde. Doch es waren nicht nur meine Freunde denen ich diesen Erfolg verdanke. Auch meine Feinden haben mir geholfen, denn sie haben mich gelehrt zu kämpfen, Rückschläge einzustecken und neue, bessere Strategien zu entwickeln. Herr Wendlik der mein Gesprächspartner bei LH war, stellte bei einem Bier folgendes klar: "Wenn ich den NFD vernichten wollte, dann bräuchte ich nur LH zu ihrem Freund machen. Sie überleben nur, weil der NFD ein klares Feindbild hat gegen das sie und ihre Mannschaft kämpfen. Nur deswegen haben sie so viele Sympathisanten in der Politik und den Medien!" So sorgte er dafür, dass wir immer der David im Kampf gegen Goliath blieben und ich kann nur hoffen, dass es auch nach der Fusion noch immer genügend Spannungen geben wird um als kleine Zelle überleben zu können.